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Every state first?

Der Präsident der USA Donald Trump lässt die NATO Partner mit der zögerlichen Bekenntnis zum Schutzbündnis zittern und fegt Handelsabkommen leichtsinnig vom Tisch. Chinesische Unternehmen wandeln sich kontinuierlich von der Werkbank des Westens zu Innovationszentren die mit dem Silicon Valley konkurrieren und der Brexit stellt die Europäische Union vor Ihre nächste Zerreisprobe. Die Ereignisse der letzten Jahre verdeutlichen dass sich die über die letzten Jahrzehnte aufgebaute Welt und Wirtschaftsordnung im Wandel befindet. Die alten Lösungsansätze führen für die neuen Herausforderungen nicht mehr zu befriedigenden Antworten und befeuern die Stunde der Populisten. Federführend bei der Gestaltung des Wandels sind autokrate Männer. Trump, Putin, Erdogan und Xi Xingping bestimmen die politische und wirtschaftliche Zukunft und auch in Europa werden alternative Wege beschritten mit potentiell folgenschweren Auswirkungen, der Aushöhlung der Demokratie.


Wie konnte es soweit kommen?


Der Aufbau von Demokratien speziell nach 1945 und die weitere wirtschaftliche Integration hin zur Globalisierung basierte immer auf dem Versprechen des Wirtschaftswachstums und dem Wohlstand der Bevölkerung. Speziell China zeigt nun vor, dass es für wirtschaftlichen Erfolg keine liberale Demokratie benötigt. Bis zur Industrialisierung Anfang des 19 Jahrhunderts die in Europa ihren Ursprung hatte und massive Produktivitäts sowie Wohlstands-zuwächse bewirkte, war China dem Westen Jahrhunderte lang wirtschaftlich, militärisch und technisch überlegen. Die entstandenen Technologien sind mittlerweile kein Privileg des Westens mehr und stellen die Wirtschaftsordnung auf den Kopf. Bisher funktioniert der mix aus Plan und Marktwirtschaft in China. In den letzten zehn Jahren hat sich der Stundenlohn verdreifacht und das verfügbare Haushaltseinkommen verdoppelt. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass dieser Trend in westlichen Industrienationen zu vermehrter Unzufriedenheit bei den Verlierern der Globalisierung führt. Der kritische Dialog mit diesen schwierigen Fragen wird zu oft nicht flächendeckend geführt und Entscheidungen waren speziell in der Krise von einer Politik der vermeintlichen Alternativlosigkeit geprägt. Das Geld für die Rettung von Großbaken plötzlich verfügbar ist jedoch den Jahren zuvor nicht für den Bau von Wohnungen oder Schulen aufgebracht werden konnte hat die Glaubwürdigkeit des Systems beeinträchtigt mit den bekannten politischen Folgen.


Sind heutige Handelsabkommen noch zeitgemäß?

In einigen Punkten kann man Trump Recht geben, wenn er beispielsweise behauptet dass Handelsabkommen mit China nicht mehr zeitgemäß sind. So muss zum Beispiel ein US Unternehmen das in China aktiv sein möchte einen lokalen Partner miteinbeziehen. Umgekehrt gibt es sehr wenige Hürden für chinesische Firmen um am US-Markt teilzunehmen. Vor 20 Jahren war dies für beide Parteien noch eine gewinnbringende Situation und heute tragen Fakten wie diese zu dem Beginn eines Handelskrieges bei. Die viel diskutierte Einfuhr von Zöllen lässt wilde Spekulationen ans Licht kommen wie sich die Warenströme verändern werden. Niemand kann genau sagen wie sich diese verhalten würden und kehrt damit zwei essentielle Seiten unseres Wirtschaftssystems in den Vordergrund, Ihre Vernetztheit und Anfälligkeit für Krisen. Die wirtschaftliche Integration hat zu Ihrem Höhepunkt in den Nuller Jahren zu einer Hyper-Globalisierung geführt in der nicht nur Produktionen ausgelagert wurden, sondern auch einzelne Arbeitsschritte von Kleinteilen mehrere Länder und Fabriken beschäftigt haben. Lt. Paul Krugman ist dieser Trend zwar wieder rückläufig, jedoch handelt es sich hierbei um aufwendige und zeitintensive Prozesse. Unüberlegte Einschnitte in dieses System mit Zöllen und in weiterer Folge noch drastischeren protektionistischen Maßnahmen könnte dieses System erschüttern mit negativen Folgen für alle Beteiligten.


Technologischer Durchbruch oder Krieg?


Über die Jahrzehnte hat sich ein volkswirtschaftliches Ungleichgewicht eingeschlichen. Die westliche Welt ist immer reicher geworden bei ungerechter nationaler Verteilung und Länder wie China konnten massiv aufholen, die wachsende Mittelschicht ist der beste Beweis dafür. Es wird vermutet, dass diese Mittelschicht in den nächsten 20 Jahren noch um ein Drittel der Bevölkerung anwächst. Der Blick auf diesen Faktor allein verdeutlicht, dass sich Gewichtungen verschieben und sich in einem neuen Mulitlateralismus äußern werden. Die wachsende Nachfrage nach Luxusprodukten wie Autos, Fernsehern und Waschmaschinen steigt in den BRIC Ländern und somit werden diese Länder kontinuierlich unabhängiger von den Partnern die sie anfangs für billige Produktion genutzt haben. Nach dieser Logik empfinde ich es als natürlichen Prozess den speziell die Wirtschaft durchläuft. Politische Umwälzungen und die Neuordnung der Wirtschaftswelt sind meist das Resultat von zwei Ereignissen, Krieg oder technologischer Durchbruch. Ich vertraue darauf, dass wir zweites dafür verantwortlich machen können und nicht autokrate Männer.


// David Schuller 06.06.2019

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