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Dominik klärt auf - Null Zins Politik

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser!

Neben den vielen Beiträgen, die sich damit auseinandersetzen, warum wir die EU brauchen, wollen wir diversen Themen auch kritisch begegnen. So auch im folgenden Artikel über die 0-Zins Politik der EZB.


0-Zins - was bedeutet das eigentlich?

Die meisten werden schon irgendwo gehört haben, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf den historischen Wert von 0% gesenkt hat. Was bedeutet das? Was hat das für Auswirkungen? Wer profitiert davon?

Der Leitzins wird von der EZB bestimmt und gibt an, zu welchen Konditionen die EZB ihr Geld an Banken verleiht. Die Banken schlagen auf diesen Leitzinssatz dann wiederum ihre eigenen Margen auf und verleihen das Geld an Unternehmen und Privatpersonen weiter.

Die EZB hat den Zinssatz für Einlagen von Banken Anfang März 2016 auf minus 0,4 Prozent gesenkt. Damit will die EZB bewirken, dass die Banken ihr Geld nicht bunkern, sondern direkt wieder in Form von Krediten ausschütten, um die Wirtschaft anzukurbeln und somit einer Deflation vorbeugen. Durch das Fluten des Marktes mit billigem Geld und die Abschaffung des Zinses wird man unweigerlich dazu gezwungen, Geld woanders anzulegen, um noch Zinsen zu bekommen. Die Folge ist, dass es zu einer Blasenbildung in diversen „Sachwerten“ wie z.B. dem Aktien- oder Immobilienmarkt kommt. So haben sich z.B. in München die Immobilienpreise innerhalb von sechs Jahren von durchschnittlich 4.128,40€/m² auf 8.628,20€/m² mehr als verdoppelt.

Ein weiteres Problem der expansiven Geldpolitik beschreibt Dr. Markus Krall in seinem Buch „Der Draghi Crash“. Dr. Krall, der die Kreditausfall-Bewertungssysteme der Banken entwickelt hat, sagt, dass Unternehmen welche nachhaltig schwach wirtschaften, sich durch das billige Geld am Leben erhalten können und nicht durch Insolvenz vom Markt ausscheiden. Diese Insolvenzen sind jedoch nicht aufgehoben, sondern lediglich aufgeschoben. Dr. Krall schätzt die Summe an derzeit nicht bedienten Krediten in der Eurozone auf unglaubliche 1.500 Milliarden €. Sollte die EZB den Leitzins irgendwann also wieder steigen lassen, kommt es unweigerlich zu einer Masseninsolvenz dieser sogenannten Zombie-Unternehmen.


„Bring dein Geld auf die Bank, da bekommst du Zinsen“

Was bedeutet das für Sparer? Die Kosten, die den Banken durch Strafzinsen entstehen, werden direkt in Form von Kontoführungsgebühren und Beitragserhöhungen an die Kunden weitergegeben, oder die Bank ändert einfach Ihre Kontomodelle. Einige Geldhäuser haben sogar schon direkt den Strafzins an Ihre Kunden verrechnet. Betrachtet man hierzu noch die Inflation, wird schnell klar, was dem Sparer bleibt. Die durchschnittliche Inflation in der EU lag 2010-2014 bei 2,3% p.a. und 2018 bei 2,1% p.a. Wenn man also z.B. 0,5% Zinsen auf seinem Sparbuch bekommt, muss man kein großes Rechengenie sein, um selbst herausfinden zu können, dass die eigene Kaufkraft sinkt (Geldentwertung).

Fazit: Wir Sparer werden schleichend enteignet und defizitäre Unternehmen hingegen am Leben erhalten. Die EZB hat den Zins bereits auf 0% gesenkt und somit keinen Handlungsspielraum mehr. Die Notenbank versucht mit allen Mitteln, Inflation zu erzeugen, um die Verschuldung zu drücken. Fraglich bleibt, ob dieses in der Geschichte einmalige Geldexperiment funktioniert. Setzen wir diesen Kurs weiter fort, wird das Problem nur noch größer. Hebt die EZB dagegen die Zinsen an, kommt es zu einer Masseninsolvenz. Unser Geldsystem befindet sich am Ende eines Zyklus. Meine Einschätzung der derzeitigen Situation, leider „Draghi“-sch.


16.05.2019 Dominik Zöhrer

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